"Nicht Post muss man bei diesem Brieftaubenspiel befördern, sondern seine Brieftaube selbst. Doch wer seinen Taubenschwarm schnell und sicher nach Hause bringen will, muss kein Mitglied im Brieftaubenverein sein. Schnelligkeit, ein wachsames Auge und das Glück, nicht von einem Habicht gefressen zu werden, genügen. ... Obwohl sich das Spiel des Fachjargons bedient und ausdrücklich für den Brieftaubensport werben soll, bekommen auch Laien dank der einfach geschriebenen Spieleanleitung sofort einen Zugang zum Spiel. Die liebevolle, detailgetreue Aufmachung, Fotografien aus der Pfalz und das ausgeklügelte Spielkonzept zeichnen die "RV-Meisterschaft" aus." ...
"Barbara Krauß hat einen Traum: Sie möchte Kinder und Jugendliche für ihr liebstes Hobby begeistern: den Brieftaubensport. Voller Leidenschaft und Begeisterung stürzte sich die Diplom-Betriebswirtin deshalb Anfang des letzten Jahres auf einen Plan, den sie bereits seit vielen Jahren hat: Sie erfand und gestaltete ein Brieftauben-Brettspiel und veröffentlichte es im eigenen Verlag: "Der Wettflug der Brieftauben ist so spannend, dass er sich optimal als Idee für ein Brettspiel eignet", sagt Krauß. ... Die Motive der Spielkarten und des Spielkartons entstammen aus der Region. Fotograf Klaus Landry ... nutzte hierzu sein Hobby und fotografierte einige Motive aus seinem Heißluftballon heraus." ...
Vincent. Stationen eines Abschieds
Inhalt:
Für Barbara Pohlmann wird der Alptraum jedes Autofahrers wahr: ein Junge auf seinem Fahrrad fährt vom Gehsteig auf die Straße, direkt vor das Auto von Barbara Pohlmann und stirbt. Kurz vor ihrem Prozess meldet sich ein Zeuge: Vincent Krzyzaniak. Der Bauer aus dem Allgäu will für sie aussagen. Aber sein Preis ist hoch, er will, dass ihn die 30 Jahre jüngere Barbara heiratet. Die kaufmännische Angestellte packt ihre Sachen, verlässt ihre Heimat und folgt ihm als dessen Frau auf seinen Hof. Elf Jahre bleibt sie bei ihm, dann kehrt sie zurück an den Rhein. Kaum zu Hause, klingelt das Telefon: Es ist Paul, angeblich ein Bekannter aus Jugendtagen. Diese Telefonstimme, dieser Mann ohne Nachnamen, ohne Gesicht, wird in langen Gesprächen zum neuen Vertrauten von Barbara Krzyzaniak. Doch: wer ist Paul?
Meine Meinung:
Der Unfall ändert das Leben der Karrierefrau Barbara: sie gibt alles auf und zieht zu einem wesentlich älteren Mann auf einen Bauernhof. Und lernt, dieses Leben zu lieben. Aber sie liebt die Menschen nicht, mit denen sie zusammen ist, und so geht sie wieder zurück in die alte Heimat, nimmt ihr altes Leben wieder auf. Aber die Schatten der Vergangenheit verfolgen sie. Da ist zum einen Paul, der so viel über sie weiß und der sie am Telefon über jede Minute der Zeit im Allgäu aushorcht. Außerdem ist sich Barbara sicher, dass fremde Menschen in ihrer Wohnung sind, wenn sie arbeitet. Wer ist die Frau, deren Haar sie neben ihrem Telefon gefunden hat?
Bei diesem Buch hatte ich am Anfang Schwierigkeiten und war kurz davor abzubrechen. Doch so, wie sich die Geschichte entwickelt hat, entwickelte sich auch Barbaras Stil und nahm mich mehr und mehr gefangen. Die Spannung wächst mit jedem Telefongespräch, das sie führt. Dass sich am Ende alles aufklärt, war zu erwarten, aber wie es sich aufgeklärt hat, hat mich überrascht.
Liebe Grüße,
Kirsten
Vincent. Stationen eines Abschieds
Verwirrend, zwischendurch langatmig - man will einfach schneller wissen, was passiert, dennoch spannend, bewegend, traurig, überraschend – es ist nicht einfach, dieses Werk zu beschreiben. Man muss es einfach gelesen haben. Gern benutze ich bei Rezensionen den Begriff „Kopfkino“ - mir ist es sehr wichtig, dass der Autor in meinem Kopf Bilder erzeugen kann, da ich so besser in die Geschichte einsteigen kann. Barbara Krauß gelingt dies mit ihrer lebendigen und ausschweifenden Sprechweise sehr gut. Von jedem Protagonisten bekommt man ein genaues Bild, ebenso von der jeweiligen Situation und von den Gefühlen, die alltäglich sind. Jeder kann sich gut mit der Geschichte identifizieren, kann mitfühlen, mit trauern, sich mit freuen und sich vom Schluss der Geschichte einfangen, begeistern und überraschen lassen.
Kathrin Bolte
Vincent. Stationen eines Abschieds
Biographie, Roman, Krimi, Liebesroman, Drama?
Es ist nicht leicht, diesen spannenden Roman einem bestimmten Genre zuzuordnen. Der Plot besteht aus mehreren Erzählsträngen, verschiedene Zeitebenen wechseln, doch die Protagonisten bleiben dieselben, tauchen überraschenderweise unter und wieder auf.
Die Autorin zeichnet ihre Charaktere fast wie mit einem Kamera-Auge, erfasst alle Facetten einer Person, lotet aus, wie sie sich in veränderten Situationen verhält.
Die Geschichte zieht den Leser hinein in den Strom der Ereignisse, die oft sehr überraschend sind, unvorhersehbar und teilweise auch geheimnisvoll.
Man kann das Buch nicht weglegen, bevor man es zu Ende gelesen hat, denn Fragen über Fragen tauchen auf, wenn gerade ein Knoten gelöst ist. Die Szenen einer seltsamen Ehe zwischen zwei Partnern mit großem Altersunterschied werden anschaulich, drastisch und doch auch mitfühlend und behutsam beschrieben.
Es geht auch um Schuld, die ein Mensch im Laufe seines Lebens auf sich lädt und die ihn nicht mehr loslässt. Viele Entscheidungen werden von dieser Last unbewusst beeinflusst und führen in diesem Roman zu ungeahnten Verwicklungen. Und Vincent hat die Fäden mehr in der Hand, als seine junge Frau ahnt und der Leser es für möglich hält.
Wenn sich der Leser zu früh ein Urteil bildet und Partei ergreift, wird er, genau wie die Protagonisten des Romans, vom Ausgang der Geschichte überrascht sein.
Menschliche Schicksale, Landschaften, Lebensentwürfe und mehrere Neuanfänge, denen natürlich Abschiede vorausgehen, werden kunstvoll verflochten in diesem sehr spannenden und lesenswerten Roman.
Die Autorin Barbara Krauß hat sicher zu Recht Preise für dieses Buch erhalten.
5 Sterne
E.Z. "ezira" (Mannheim)